Implantologie

Implantologie

Implantate und was Sie darüber wissen sollten

Aus unterschiedlichen Gründen (Karies, Parodontose, Unfall, Nichtanlage) können Zähne eines oder beider Kiefer fehlen. Dadurch ist einerseits Ihre Kaufähigkeit in erheblichem Umfang eingeschränkt und andererseits auch der ästhetische Gesichtsausdruck deutlich beeinträchtigt. Deswegen ist ein Zahnersatz, der Kaufunktion und Ästhetik wiederherstellt, unbedingt erforderlich.

Die Behandlung mit zahnärztlichen Implantaten hat eine Revolution in der Zahnheilkunde eingeleitet und eine Antwort auf viele Probleme, die durch fehlende Zähne verursacht werden, gebracht.

Bereits in den 50-iger Jahren haben Wissenschafter beobachtet, dass Titan und einige andere Materialien einen starken Verbund mit dem umgebenden Knochen bilden, ein Prozess den sie als "Osseointegration" bezeichnet haben. Nach Jahren der intensiven Forschung und vielen Studien werden zahnärztliche Implantate (Titanzylinder oder - schrauben, welche in den Knochen als Ersatz fehlender Zähne eingebracht werden) heute mit hohen Erfolgsraten angewendet.

Zahnärztliche Implantate werden in einem ambulanten Eingriff in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) in den Kieferknochen eingesetzt. In der Einheilphase (3-6 Monate) wächst der Knochen dicht an die Implantatoberfläche heran (Osseointegration), daraus resultiert eine feste Verankerung des Implantates im Kieferknochen. An diesen "künstlichen Wurzeln" kann der Zahnarzt Kronen, Brücken oder abnehmbaren Zahnersatz (Prothesen) befestigen. Die Behandlung mit Implantaten dauert im Normalfall einige Monate.
Im Normalfall spielt das Alter des Patienten keine Rolle, jedoch muss beim Jugendlichen darauf geachtet werden, dass sein Wachstum bereits abgeschlossen ist. Ansonsten kann es zu einem Wachstumsdefizit an der Implantationsstelle kommen, wodurch Knocheneinbrüche und Fehlpositionierungen der Implantate resultieren.

Welche Situation liegt bei Ihnen vor?

Wenn Sie - wie viele andere Patienten - einen oder mehrere Zähne verloren haben, so werden Sie mit den unangenehmen Folgeerscheinungen vertraut sein. Fehlende Zähne führen zu einem unattraktiven Lächeln, Ärger über lockere Prothesen, Schmerzen oder Problemen beim Kauen. Traditionelle Zahnheilkunde kann fehlende Zähne durch Brücken, bnehmbare Teilprothesen und Totalprothesen ersetzen. Jeder dieser Rekonstruktionen beinhaltet jedoch verschiedene Probleme. Bei einer fixen Brücke müssen gewöhnlich esunde Pfeilerzähne beschliffen werden - Zahnsubstanz geht unwiederbringlich verloren. Teilprothesen und Totalprothesen sind zum Teil sehr instabil und können dadurch zu lokalen Beschwerden (Druckstellen) oder Problemen beim Sprechen und Kauen führen.
Ein wesentlicher Aspekt, der mit dem Verlust eines oder mehrerer Zähne verbunden ist, ist ein Prozess der als Knochenabbau oder Atrophie bekannt ist. Dieser Knochenabbau nimmt über die Jahre zu und beeinflusst sowohl die Funktion der Kiefer als auch die Ästhetik des Gesichtes insgesamt. Durch Implantate werden die Kaukräfte auf den Kieferknochen weitergeleitet, das Kiefervolumen bleibt erhalten.

Einzelzahn/Schaltlücke

Freiende Oberkiefer

Freiende Unterkiefer

Zahnloser Oberkiefer

Welche Voruntersuchungen werden benötigt?

Klinische Untersuchung, Gesundheitsfragebogen:
Die allgemeine und spezielle Anamnese (Gesundheits-Fragebogen und ausführliches Arzt-Patienten Gespräch), die Erstellung eines Lokalbefundes und die Risikoaufklärung des Patienten sind unabdingbare Voraussetzungen jeder enossalen Implantation. Wenn von allgemeinmedizinischer Seite her Erkrankungen vorhanden sind, die einer Implantatbehandlung entgegenstehen könnten, ist zu überprüfen, ob durch geeignete medizinische Maßnahmen (z.B. Einstellung einer Zuckererkrankung) durch den Hausarzt oder die behandelnden Spezialisten die vorgesehene Implantatbehandlung dennoch ermöglicht werden kann.
Röntgenuntersuchung (Panoramaröntgen, Kleinbildröntgen, Dental CT, DVT):
Kleinbildröntgen und Panoramaröntgen stellen unverzichtbare Unterlagen zur Darstellung der Zahn- und Knochensituation, zum Ausschluss pathologischer Prozesse und zur Beurteilung des Knochenvolumens (Knochenhöhe, -qualität, angrenzende Strukturen) dar. In zunehmendem Maße hat die Computertomographie (Dental CT, DVT) Einzug in die präoperative Röntgendiagnostik gehalten und stellt heute bei fraglicher Knochensituation vor allem im Oberkiefer (Knochendefekte, Kieferhöhle, Nasenhöhle) aber auch im Unterkiefer (Verlauf des Nervus alveolaris) eine unverzichtbare Information für die Operationsplanung dar.
Prothetische Planung (Abdrücke, Modelle):
Auf einem Situationsmodell kann gemeinsam mit dem Zahntechniker die Implantatposition festgelegt, und eine Probe-Zahnaufstellung in Wachs zur besseren Beurteilung von Funktion und Ästhetik vorgenommen werden. Diese Planungsunterlagen werden in Kombination mit den Röntgenbildern in eine Operationsschablone umgesetzt und dienen als Unterlage zur exakten Positionierung der Implantate bei der Implantatoperation.
Mundhygiene:
Zusätzlich sollte vor Beginn jeder prothetischen Behandlung ein Mundhygienestatus erhoben, und eine entsprechende initiale oder weiterführende Parodontalbehandlung eingeleitet werden.

Nach Voruntersuchung und Planung wird ein Operationstermin vereinbart. Sowohl Vorbehandlung als auch Operation (Implantation) und weitere Versorgung (Implantatkronen, -brücken oder -prothese) werden in der Regel von uns durchgeführt. Bei entsprechender Planung besteht die Möglichkeit, die prothetische Versorgung beim zuweisenden Zahnarzt anfertigen zu lassen. Die präoperative Diagnostik (Röntgen, DVT) wird in der Ordination oder an der Universitätsklinik durchgeführt. In sehr aufwendigen und/oder schwierigen Fällen (Knochentransplantation, Risikofaktoren) kann die Operation an der Univ. Zahnklinik Graz erfolgen.

Die Operation

Implantationszeitpunkt

a) Sofortimplantation
Sofort nach einer Extraktion oder einem traumatischen Verlust eines Zahnes wird ein Implantat in die Alveole gesetzt.
b) Verzögerte Sofortimplantation
Bei Zahnverlusten aufgrund ostitischer Prozesse und Parodontitiden oder bei Extraktionen mit größerem Verlust des Alveolarfortsatzes ist nach ungefähr vier bis sechs Wochen (nach Abheilung der
Weichgewebe) eine verzögerte Sofortimplantation angezeigt.
c) Spätimplantation
Die Insertion eines Implantates erfolgt in einen knöchern konsolidierten Alveolarfortsatz mindestens sechs Monate nach Zahnverlust bzw. Extraktion oder bei Nichtanlage von Zähnen.

Erste chirurgische Phase = Implantatinsertion
Die Implantation ist ein chirurgischer Eingriff der unter sterilen Bedingungen, meist unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) und ambulant, (in Ausnahmefällen auch stationär unter Vollnarkose) durchgeführt wird. Das heißt der Eingriff ist völlig schmerzfrei und Sie gehen unmittelbar nach der Operation nach Hause.

Es wird entweder der Zahn schonend extrahiert oder die Schleimhaut über dem Kieferknochen am Ort der geplanten Implantation eröffnet. Anschließend wird mit der chirurgischen Bohreinheit in mehreren Schritten (Pilotbohrung mit einem Spiralbohrer / Passbohrung mit mehreren Fräsen zunehmenden Durchmessers) ein Implantatbett geschaffen. Damit ist die genaue Lokalisation, Richtung und auch die Länge des Implantates genau festgelegt.

Ein "Einbringpfosten", der am Implantat befestigt ist, ermöglicht die Insertion ohne das Implantat zu kontaminieren. Das Implantat  wird mit Eindrehinstrument und Ratsche in seine endgültige Position gebracht und eine Verschluss- oder Heilungsschraube appliziert.

Die (eventuell durch Periostschlitzung) mobilisierte Schleimhaut wird über das Implantat gezogen und dicht über dem Kieferkamm vernäht.
Der Heilungsprozess verläuft nur dann ungestört, wenn keine Relativbewegung zwischen Implantat und Knochen auftritt. Daher sollte dieser Bereich während der "Einheilphase" vor Belastungen geschützt und die Stelle auf keinen Fall mit Fingern oder Zunge berührt werden.

Nach einer Woche kann die Nahtentfernung vorgenommen werden.
Zur Überbrückung können Sie einen provisorischen Zahnersatz tragen. Alle 4 bis 6 Wochen wird der Heilungsverlauf kontrolliert und gegebenenfalls der provisorische Zahnersatz angepasst (unterfüttert).

Zum Verhalten nach der Operation

Die frische Wunde sollten Sie mit Wattestäbchen und Chlorhexamed®-Spüllösung oder 3%-igem Wasserstoff reinigen. Ab dem 2. postoperativen Tag können Sie mit einer weichen Zahnbürste über die Wunde streichen. Zusätzlich empfehlen wir Ihnen Spülungen mit Kamille-, Eibisch- oder Salbeitee bzw. Chlorhexamed®. Ein Implantat muss gepflegt werden, eine gute Mundhygiene sichert den Langzeiterfolg.
Die eigenen Zähne sollten Sie sehr gründlich reinigen, da der Zahnbelag und die damit verbundene Entzündung des Zahnfleisches bzw. des Zahnhalteapparates eine große Gefahr für Ihr Implantat darstellen können.

- Kühlen Sie die operierte Seite von außen mit Eis- ca. für 8 Stunden und vermeiden Sie
- Wärmezufuhr (Sonneneinstrahlung, Sauna), um die Schwellung gering zu halten.
- Meiden Sie heiße Speisen bzw. Getränke am Operationstag.
- Durch die Einwirkung von Nikotin kann es zu Wundheilungsstörungen kommen.
- Nehmen Sie die verordneten Medikamente entsprechend den Anweisungen ein.
- In den ersten Tagen nach der Operation empfehlen wir körperliche Schonung.

Zweite chirurgische Phase = Freilegung und temporärer Verschluss

Nach der Einheilphase werden die Implantate in Lokalanästhesie mit einem Skalpell oder einer Schleimhautstanze, die dem Durchmesser des Implantates entspricht, eröffnet.
Die Titan-Verschlussschraube wird aus dem Implantat herausgedreht, der Innensechskant mit Wasserstoffperoxid (H2O2), Chlorhexamed oder isotonischer Kochsalzlösung gereinigt und durch eine Heilungsschraube (Gingivaformer) aus Titan ersetzt.
In der auf die Wiedereröffnung folgenden Abheilphase ermöglicht der Gingivaformer die funktionsgerechte Ausbildung einer Schleimhautmanschette. Dadurch wird ermöglicht, dass sich die Gingiva nach dem Einsetzen des Kronenaufbaus bakteriendicht an dessen Gingivabund anlegen kann.

Nach der Operation muss das Provisorium an die neue Situation angepasst werden.

Prothetik:

Nach 1-4 Wochen kann die Mundsituation mittels Abformung auf ein Gipsmodell übertragen werden und der Zahntechniker stellt einen für Sie individuell gefertigten Zahnersatz her. Die Palette der Suprastrukturen umfasst metallkeramische und vollkeramische Einzelkronen, Implantatbrücken, steggetragene, abnehmbare Brücken, Teleskopprothesen und steggetragene Totalprothesen. Die Anfertigung der Versorgungen kann je nach Umfang der Rekonstruktion 1 bis mehrere Wochen dauern und mehrere Proben (Gerüstprobe, Ästhetikprobe, Stegprobe) erfordern. Die Zusammenarbeit erfolgt ausschliesslich mit Speziallabors mit entsprechender implantologischer Aus- und Weiterbildung.
Die Befestigung der Implantatversorgung kann in Abhängigkeit von der klinischen Situation sowohl durch Zementierung als auch durch Verschraubung erfolgen. Die Versorgung eines gesamten Kiefers (Ober-, Unterkiefer) kann unter Berücksichtigung von verschiedenen Faktoren wie Knochenangebot, Länge der Lippe, Unterstützung der Weichteile Lippe/Wange, Ästhetik, Sprache, Eigenhygiene u. a. festsitzend (d.h. nur durch den Zahnarzt entfernbar) oder abnehmbar (Entfernen des Zahnersatzes auch durch den Patienten zur Eigenhygiene) konstruiert werden. Bereits vor der Implantation wird gemeinsam mit dem Zahntechniker eine exakte Behandlungsplanung erstellt.

Nachsorge:
Voraussetzung für den dauerhaften Erhalt implantatgetragener Suprastrukturen und das Erlangen stabiler Langzeitergebnisse ist jene Phase der Behandlung, die der aktiven Therapie folgt: es ist dies die unterstützende Erhaltungs- oder Nachsorgetherapie (Recall). Durch kontinuierliche klinische und röntgenologische Kontrolle der periimplantären Gewebe sollen beginnende Probleme möglichst frühzeitig erkannt werden. Hauptziel der Nachsorge ist perfekte Plaquekontrolle durch adäquate persönliche und professionelle Hygiene. Daneben stehen Design, Passgenauigkeit und okklusale Adjustierung (Bisssituation) der Implantatversorgung im Mittelpunkt.
Da Sie selbst den Erfolg Ihrer Mundhygiene und den Zustand Ihres/r Implantate/s nicht genau beurteilen können, sind regelmäßige Kontrollen notwendig. Die Kontrollen erfolgen im ersten Jahr nach der Eingliederung alle 3 Monate, in der Folge in Abhängigkeit von Eigenhygiene, Art der Versorgung, Knochensituation usw. alle 6 - 12 Monate.
Einmal jährlich werden Röntgenbilder angefertigt und die gesamte prothetische Versorgung abgenommen um jedes Implantat einzeln überprüfen zu können.
(siehe Publikationen)

Prognose:
Die Prognose (Erfolgswahrscheinlichkeit) Ihres implantatgetragenen Zahnersatzes hängt von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel Knochenqualität, Knochenmenge, Art der Versorgung, Eigenhygiene, Bisssituation (Okklusion) oder vorhandenen Risikofaktoren (Parodontitis, Rauchen, Diabetes,....) ab. Wichtigste Vorraussetzung für eine lange Implantat-Überlebensdauer ist die regelmäßige Nachsorge (Hygiene, Okklusion, Röntgen), wodurch auftretende Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Internationale Studien und eigene Ergebnisse zeigen, dass die 10-Jahres Erfolgswahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von oben genannten Faktoren zwischen 80 und 95 %, liegt d.h. dieser Prozentsatz der Implantate erfüllt nach einem Zeitraum von 10 Jahren alle Kriterien eines erfolgreichen, in Funktion befindlichen Zahnersatzes. Risikofaktoren wie Nikotin reduzieren diese Prognose um einige Prozentpunkte.
Implantatgetragene Versorgungen im zahnlosen Unterkiefer bzw. Einzelzahnimplantate zeigen besonders hohe Erfolgsaussichten, d.h. dass die 15-Jahres Überlebensraten international übereinstimmend über 90 % liegen.

Die Ergebnisse bei aufwendigeren Behandlungen mit verschiedenen Knochenaufbautechniken (Sinus Augmentation, horizontale/vertikale Knochendefekte) bewegen sich in den derzeit überblickbaren 10-Jahres Intervallen zwischen 80 und 90 %.

Misserfolge:
Wenn ein Implantat nicht einheilt, so ist dies in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden. Das Implantat wird entfernt und 4-6 Wochen später kann eine neuerliche Implantation durchgeführt werden. Dasselbe gilt für einen Implantatverlust zu einem Zeitpunkt nach der prothetischen Versorgung. Eine neuerliche Implantation ist in den meisten Fällen in Kombination mit lokalem Knochenaufbau möglich. (siehe Publikationen).

 

Ungenügendes Knochenangebot (Knochenatrophie)

Eine der Kontraindikationen für die Insertion von Implantaten ist unzureichendes Knochenangebot. Infolge von Unfällen, Parodontalerkrankungen oder lange bestehender Zahnlosigkeit kommt es zu lokalen Knochendefekten (Atrophie). Im zahnlosen Oberkieferseitenzahnbereich entwickelt sich diese Defizienz durch Resorption des Kieferkammes/Alveolarfortsatzes einerseits, sowie durch Ausdehnung der Kieferhöhlen andererseits.
Diese geschwundenen Kieferareale können eine Implantation unmöglich machen oder aber die Langzeitprognose Ihres Implantates durch geringere Stabilität und größere Anfälligkeit für Entzündungen des Weichgewebes um das Implantat gefährden.
In ästhetisch wichtigen Kieferbereichen (Oberkieferfrontzähne) bleiben Einziehungen (Dellen) des Kieferkammes bestehen und beeinträchtigen durch das Fehlen einer natürlichen Knochenkontour das Gesamterscheinungsbild der implantatgetragenen Versorgung (z.B. Krone).

Knochentransplantate

Der autologe Knochen (körpereigene Knochen) ist der Goldstandard für den Knochenaufbau. Intraorale Entnahmestellen sind das Kinn sowie die Weisheitszahnregion des Unterkiefers. Diese Spenderregionen können in lokaler Anästhesie (Spritze, örtliche Betäubung) verwendet werden, allerdings ist die Knochenmenge, welche gewonnen werden kann, begrenzt. Eine alternative Entnahmestelle ist das Schienbein (in örtlicher Betäubung), welches idealen Knochen für den Knochenaufbau im Bereich der Kieferhöhle bietet. In besonders ausgeprägten Fällen (generalisierte Kieferkammatrophie, große vertikale Defekte) kann der Beckenkamm als Spenderregion herangezogen werden - dies ist allerdings nur in Allgemeinnarkose, verbunden mit einem stationären Aufenthalt, möglich.
Knochenersatzmaterialien können als Alternative für autologen Knochen angesehen werden, weil dadurch die Transplantatentnahme vermieden werden kann. Das eingebrachte Material dient als Leitstruktur für die Knochenneubildung, wird in den neugebildeten Knochen eingebaut und je nach Herkunft und Struktur langsam abgebaut.
Die Einheilung Ihres Implantates sowie die langfristige Erfolgswahrscheinlichkeit (Prognose) sind bei beiden Verfahren vergleichbar. Jedes Knochentransplantat wird mit einer Membran, welche das darüberliegende Weichgewebe abhält, gedeckt. Diese Membran ist resorbierbar, d.h. sie wird in den ersten Monaten vom Körper abgebaut und braucht nicht wieder entfernt zu werden.
Wichtige Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Rekonstruktion von Knochendefekten ist eine komplikationslose Heilung von 6 bis 8 Monaten (abhängig von der Grösse des Defektes). Die erforderlichen Kontrolltermine in diesem Zeitraum (alle 4 Wochen) sollten daher unbedingt eingehalten werden. Die zusätzliche Anwendung eines Blutplättchenkonzentrates (Thrombozytenkonzentrat, Blutabnahme vergleichbar dem Blutspenden, an der Abteilung für Transfusionsmedizin am Vortag der Operation) welches aus Eigenblut gewonnen werden kann, kann in einzelnen Fällen eine Beschleunigung der initialen Knocheneinsprossung unterstützen.

Knochenaufbau

Die Operation:
Die Operation erfolgt ambulant, d. h. Sie gehen unmittelbar nach dem Eingriff nach Hause. Der Knochenaufbau im Oberkieferseitenzahnbereich zur Erhöhung des Kieferkammes wird als "Sinus Augmentation" (=Anhebung des Kieferhöhlenbodens durch ein Transplantat) bezeichnet. Die Implantation kann gleichzeitig mit der Sinus Augmentation/dem Knochenaufbau (einzeitiges Vorgehen) oder zu einem späteren Zeitpunkt (zweizeitiges Vorgehen) stattfinden. Das einzeitige Verfahren verbindet Knochentransplantat und Implantatinsertion in einer chirurgischen Prozedur. Wenn die vertikale Knochenhöhe kleiner als 2 - 3 mm ist, und eine ausreichende Primärstabilität des Implantates nicht gewährleistet werden kann, wird die Implantation in einem zweizeitigen Verfahren 6 bis 9 Monate nach dem Knochenaufbau durchgeführt werden.
Die Operationswunde wird mit feinen Nähten versorgt und die Implantate heilen unter der Schleimhaut in den Knochen ein (Dauer 6 - 8 Monate). Zur spannungsfreien Deckung des aufgebauten Knochens ist unter Umständen eine Durchtrennung der Beinhaut (Periostschlitzung) notwendig, wodurch die Schwellung der angrenzenden Weichgewebe (Lippe, Wange) in den ersten Tagen etwas stärker sein kann.

Was bedeutet Knochenaufbau konkret?
1. Aufklärung und Entscheidung über Knochenersatzmaterialien/Eigenknochen
2. Operationsdauer um 15 - 30 Minuten verlängert
3. U.U. etwas stärkere Schwellung bzw. Bluterguss (=Hämatom)
4. Absolute körperliche Schonung für 1 Woche
5. Einheilzeit der Implantate zumindest 6 Monate
6. Kontrollen in 4-wöchigen Abständen

Sofortbelastung

Ein Schwerpunkt der modernen Implantattherapie liegt in der Verkürzung der Behandlungsdauer und der Erarbeitung von Therapieprotokollen zur frühzeitigen oder sofortigen funktionellen Belastung von implantatgetragenen Versorgungen. Das Prinzip der stegprothetischen Sofortbelastung des zahnlosen Unterkiefers dient als Grundlage für neue Alternativen der Sofortfunktion von zahnärztlichen Implantaten. Dies bedeutet, dass innerhalb weniger Tage nach der Implantatoperation bereits eine provisorische oder definitive Stegprothese (oder Brücke) eingesetzt werden kann. Aktuelle eigene Ergebnisse und internationale Studien zeigen, dass die Prognose dieser sofortbelasteten Implantate im zahnlosen Unterkiefer mit der konventionell gesetzter Implantate vergleichbar und damit sehr gut ist.
Aber auch in anderen Indikationen kommt heute das Prinzip der sofortigen provisorischen Versorgung der Implantate zur Anwendung. Die sofortige provisorische Versorgung (unmittelbar nach der Operation) von Einzelzahnimplantaten im Oberkiefer oder Unterkiefer stellt ein neues, viel versprechendes Verfahren zum raschen Ersatz natürlicher Zähne dar. Allerdings sind für dieses Vorgehen einige wichtige Voraussetzungen wie z. B. Okklusion (Bisssituation), Paro-Situation (Zahnfleischzustand), Ursache des Zahnverlustes, Knochenangebot u.a. zu prüfen - es handelt sich hierbei noch nicht um ein Routine-Verfahren!
In einzelnen, ausgewählten Fällen ermöglicht es jedoch den Verzicht auf ein abnehmbares Provisorium und die optimale Erhaltung der vorhandenen Knochen- und Weichgewebsstrukturen ohne aufwendige rekonstruktive Maßnahmen.

- Zustand unmittelbar nach Verlust des seitlichen Schneidezahnes durch einen Unfall
- Endgültige (definitive) Versorgung durch Vollkeramikkrone auf einem Implantat